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  • Workshop für PädagogInnen, Jihlava/Iglau, 24.11.2011

Workshop für PädagogInnen, Jihlava/Iglau, 24.11.2011

Eingeladen vom Projektpartner Büro für Internationale Beziehungen des Kreises Vysočina nahmen zehn PädagogInnen aus den verschiedenen Mittelschulen Iglaus (vor allem Geschichte- und DeutschlehrerInnen) an einem eintägigen Workshop zu zeithistorischen Themen teil. Das Programm war zweigeteilt, mit zunächst zwei Präsentationen von HistorikerInnen und anschließend einem Besuch des Kreisarchives Iglau, wo auch die Diskussion zu den vorgetragenen Themen stattfand.

 

Im ersten Teil stellte die Direktorin des Kreisarchivs Iglau (einem unterstützenden Partner des Projektes KID CZ-A), Frau Dr. Renata Pisková, zunächst die Geschichte der deutschen bzw. deutschsprachigen Bevölkerung Iglaus dar. Sehr eindrücklich schilderte sie dabei, dass die Ereignisse rund um die Vertreibung dieser Volksgruppe 1945/46 nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern auch im Hinblick auf den sich entwickelnden modernen Nationalismus im 19. Jahrhundert gedeutet werden müssen. Bei ihren Ausführungen bediente sie sich auch der Ausstellung „Sie waren nie ganz fort. Die Iglauer Deutschen“ („Nikdy zcela neodešli – Jihlavští Němci“), an der das Archiv maßgeblich beteiligt war.

Mag. Philipp Lesiak vom Projektpartner Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung schloss chronologisch an die Ausführungen seiner Vorrednerin an und trug zum Thema „Geteilte Nachbarn. Die Tschechoslowakei und Österreich im Kalten Krieg“ vor. Hierbei versuchte er auf die anwesenden Pädagogen dahingehend einzuwirken, das bedrückende und unfreie Leben in einer totalitären Diktatur sowie die lebensbedrohliche Anlage des „Eisernen Vorhangs“ dahingehend ihren Schülern näher zu bringen, dass all die Freiheiten, die heute als selbstverständlich wahrgenommen werden, erst ihrer eigenen, sehr jungen Generation tatsächlich offen stehen. Gräueltaten wie in der Zeit von 1939 bis 1946 und jahrzehntelange Diktatur werden in Europa vor allem durch das Friedensprojekt der EU langsam überwunden. Angesichts der aktuellen Krisen muss bei den SchülerInnen dahingehend das Bewusstsein geschärft werden.

 

Im zweiten Teil des Workshops öffnete Frau Dr. Pisková ihre archivalische Schatzkiste. Den staunenden PädagogInnen wurden kostbare Dokumente aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit im Original präsentiert, die das reiche sozioökonomische Schaffen der deutschen Bevölkerung in der „silbernen“ Stadt belegen. Doch auch Beispiele für die Dramatik der Ereignisse im 20. Jahrhundert konnten eingesehen werden, etwa die diametral entgegengesetzte Betrachtungsweise in den Deutsch und Tschechisch sprachigen Tageszeitungen zu Ereignissen wie dem Münchner Abkommen 1938 oder der endgültigen Zerschlagung der Tschechoslowakei durch das Dritte Reich im März 1939.

 

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